Mein Vater. Mein Onkel

Sinan Al Kuri  Bilder: Moviemento

Sinan Al Kuri (Bilder: Moviemento)

Deutschland 2009
Regie: Christoph Heller
Mit Sinan al Kuri
Start: 13.05.2010

Sinan al Kuri (Jahrgang 1979) muss mit einer komplizierten Familiengeschichte leben: Als viertes Kind einer irakischen Familie in Bagdad geboren, wurde er vom Bruder seiner Mutter und dessen deutscher Frau adoptiert. Das Paar kann selbst keine Kinder bekommen. Nach dem Scheitern der Ehe, flieht die deutsche Adoptiv-Mutter mit Sinan unter dramatischen Umständen aus dem Irak in die Bundesrepublik. Begleitet von dem Wissen, dass die Familie ihres Exmannes das Kind niemals freigeben würde. Unter schwierigen Verhältnissen wächst Sinan auf: Drogenprobleme, Depressionen und Schulversagen begleiten seinen Weg zum Erwachsen werden. Schließlich bringt der Beruf des Schauspielers eine gewisse Stabilität in sein Leben.

Erste Begegnung in Dubai

Erste Begegnung in Dubai

Sinans leibliche Familie ist inzwischen auf Grund der  politischen Lage im Irak nach Dubai geflohen. Wobei sowohl der Vater als auch seine Brüder immer wieder versucht haben, mit Sinan Kontakt aufzunehmen. Er hat diese Versuche immer ignoriert. Zusammen mit dem damaligen Filmstudenten Christoph Heller hat sich Sinan al Kuri 2007 auf die Reise zu den Eltern und den Geschwistern nach Dubai gemacht. Sie empfangen ihn als den wieder gefundenen, „verlorenen Sohn“. „Mein Vater. Mein Sohn“ dokumentiert nicht nur den schwierigen Prozess einer Annäherung zwischen den im Islam verwurzelten, wenngleich großbürgerlichen Eltern und dem, von einer westlich-laizitischen Gesellschaft geprägten Sohn.

Sinan mit seiner Mutter

Sinan mit seiner Mutter

Bei aller Herzlichkeit des Empfangs und der Emotionen zwischen Eltern und Kind bleibt doch Distanz. Heller versucht dabei äußerst diskret allen Beteiligten gerecht zu werden. „Mein Vater. Mein Onkel“ ist sein Abschlussfilm an der „Deutschen Film-und Fernsehakademie“. Er zeigt die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten, die peinlichen Momente so gering wie möglich zu halten, eine gemeinsame Basis für einen konstruktiven Dialog zu finden. Dabei gibt dieser sensible Film einen authentischen Einblick in das islamische Familienverständnis gibt. Sinan – inzwischen in deutschen TV-Serien wie „Soko Donau“ erfolgreich – hat die Umarmung bzw. Vereinnahmung durch seine irakische Familie nur bedingt ausgehalten, die Kontakte wieder unterbrochen. Die Entwurzelung bleibt trotz der Annäherung.

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