Mario Adorf zum 80. Geburtstag am 8.September 2010

Mario Adorf (M) mit Charles Aznavour(r) und Volker Schlöndorff bei den Dreharbeiten zu "Die Blechtrommel" (Bilder:Kinowelt)

Mario Adorf (M) mit Charles Aznavour(r) und Volker Schlöndorff (l)bei den Dreharbeiten zu "Die Blechtrommel" (Bilder:Kinowelt)

Mario Adorfs Filmkarriere begann bereits zu seiner Zeit Schauspielschüler. Erste Erfahrungen machte er 1954 als Statist in „08/15“ Teil 1. Am Vorabend der bundesdeutschen Wiederbewaffnung drehte Regisseur Paul May  damit ein hohes Lied auf die soldatischen Tugenden in der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Böse Nazis waren da die Ausnahme in einer ritterlichen Waffenbrüderschaft. Das Publikum nahm die Geschichtsklitterung damals gerne an. Adenauers Bundesregierung sah solche Werke mit Wohlgefallen. Deshalb folgten nach kurzer Zeit noch zwei Fortsetzungen. In denen spielte Mario Adorf dann größere Rollen.

Bekannt machte ihn 1957 seine erste Hauptrolle als geistig behinderter Frauenmörder in „Nachts wenn der Teufel kam“ von Robert Siodmak. Vor der Kulisse eines Deutschlands im Krieg beschreibt der Re-Emigrant im Stil des Films Noir eine Welt des Bösen.

Adorf in "Nachts,wenn der Teufel kam"

Adorf in "Nachts,wenn der Teufel kam"

„Nachts, wenn der Teufel kommt“ gehört zu den künstlerischen Höhepunkten im eher bescheidenen deutschen Film der 1950er Jahre. Damit war Mario Adorf vorerst auf den Typ der Borderline-Persönlichkeit festgelegt, in der sich der Hang zum Debilen mit unterschwelliger Brutalität mischt. Dabei achtete der Schauspieler im Rahmen des Möglichen auf Niveau. Besetzte Charakterrollen in „Das Totenschiff“ (Georg Tressler) oder in „Mein Schulfreund“, wieder unter Robert Siodmak.

Als es dann mit „Papas Kino“ nach 1960 endgültig bergab ging, arrangierte sich Adorf mit weniger anspruchsvollen Leinwand-auftritten. In Teutonen („Winnetou“)- und Spagetti-Western („Amigos“), dürftigen Krimis („Der Tod trug schwarzes Leder“) oder in Lichtspielen die „Hoppe, Hoppe Reiter – Engelchen macht weiter“ hießen.

Regie führte hier übrigens Michael Verhoeven. Die Erwähnung der Sex-Klamotte ist inzwischen allen Beteiligten peinlich. Im Gegensatz zu vielen Anderen deutschen Schauspieler seiner Generation ließ Mario Adorf  diese  Niederungen aber schnell hinter sich und arbeitete viel im Ausland – neben Italien, auch in Frankreich. Nach einem  Ausflug in die USA zu Sam Peckinpah („Major Dundee“)  fand er zu Hause durchaus interessante Angebote im „Jungen deutschen Film“.  Zum Beispiel 1970 in „Deadlock“ von Roland Klick. Volker Schlöndorff verdankt Adorf zwei der wichtigsten Rollen seiner Karriere: die des rüden Kommissars in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) und als Aal zubereitender Vater Matzerath in  der „Blechtrommel“.  Fassbinder engagierte ihn darauf für „Lola“, die Straubs für „Klassenverhältnisse“.

Als Kommissar Beizmenne in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"

Als Kommissar Beizmenne in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"

Anschließend verlagerte Mario Adorf das Schwergewicht seiner Arbeit auf das Fernsehen.  TV-Highligths von „Kir Royal“ (1986) bis „Der große Bellheim“ (1993) haben Mario Adorf bis heute zu einer der vielseitigsten Schauspieler-Persönlichkeiten in Deutschland gemacht. Ein Grandseigneur, der in letzter Zeit vor allem Grandseigneurs verkörpert. Am kommenden Wochenende im ARD-Zweiteiler „Der letzte Patriarch“.

Nebenbei schreibt Mario Adorf Bücher (zuletzt „Mit einer Nadel bloß“), spielt weiterhin auf dem Theater und nimmt Hörbücher auf.  Die wichtigsten Filme mit Mario Adorf liegen in mehr oder weniger sorgfältigen Editionen auf DVD vor. Besonders zu empfehlen: der Director’s Cut der „Blechtrommel“ (Kinowelt/Arthaus) oder „Das Totenschiff“ (Warner Home Video).

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