Liebe

Deutschland/Frankreich/Österreich 2012
Regie: Michael Haneke
Mit Jean-Louis Trintignant, Emmanelle Riva, Isabelle Huppert
Kinostart: 20. September 2012

Michael Haneke bei der Berliner „Liebe“-Premiere (Bilder: X-Verleih)

Der inzwischen 70jährige Österreichische Regisseur Michael Haneke gehört zu den Ausnahmepersönlichkeiten des europäischen Films. Wie keinem anderen gelingt es ihm schwierige Themen überzeugend zu formulieren. In seinem vorletzten Film „Das weiße Band“ ging es um die Stimmung des Untergangs kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Er wurde dafür mehrfach ausgezeichnet und anderem mit der „Goldenen Palme“ der Filmfestspiele von Cannes. Den Hauptpreis des wichtigsten Filmfestivals in Europa bekam Michael Haneke in diesem Jahr auch für seinen Film „Liebe“, der seit Donnerstag auch in den deutschen Kinos zu sehen ist und in dem es um Partnerschaft im Alter geht.

Franz Schuberts „Impromptu“ Nummer 3 ist Annes (Emmanuelle Riva) Lieblingsmusikstück, das sie immer gerne selbst gespielt hat. Für sie und ihren Mann Georges (Jean-Louis Trintingnant) macht Musik einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens aus: die Beiden sind ein kultiviertes Ehepaar über 80 und lassen es sich in ihrer großzügigen Pariser Stadtwohnung gut gehen. Konzertbesuche helfen die eine oder andere Einschränkung zu ertragen, die das Alter eben mit sich bringt.

Emmanelle Riva als „Anne“

Doch dann passiert es: Anne hat einen Schlaganfall und muss ins Krankenhaus. Es stellt sich heraus, dass alles nie mehr so sein wird wie vorher. Liebevoll kümmert sich George um seine Frau. Bemüht sich nach Kräften, den Alltag so normal wie irgend möglich weiter zu organisieren. Die beruflich stark beanspruchte Tochter Eva (Isabelle Huppert) ist dennoch alarmiert.

Sie rät den Eltern zum Umzug in ein Altersheim; zumindest sollen sie ambulante Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das lehnt Georges vehement ab: er will seine Frau weiterhin selbst versorgen. Obwohl sich Annes Zustand rapide verschlechtert, kann das der großen Liebe zwischen den Beiden nichts anhaben.

Regisseur Michael Haneke beschreibt in seinem Film „Amour/Liebe“ eine tiefe, über Jahrzehnte gewachsene Liebe zwischen Ehepartnern in der zweiten Lebenshälfte. Vor dem Hintergrund, dass das Leben nicht ewig dauern wird. Sterben ebenso dazu gehört wie die Liebe. Mit großem Gespür für die Zwischentöne in einer Partnerschaft im Alter, ist Michael Haneke ein einzigartiges Meisterwerk gelungen, wie man es in dieser Perfektion schon lange nicht mehr gesehen hat. Großartig Jean-Louis Trintignant und Emmanelle Riva – beide über 80 – in den Hauptrollen.

Nach der Uraufführung bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes sagte Trintignant über die Arbeit an diesem Film und seine eigene Befindlichkeit im Alter:

Jean-Louis Trintignant: Georges

„Es war für mich  schwierig, eine solche Rolle zu übernehmen. Es geht dann doch sehr nah. Die Frage nach dem rechten Umgang mit dem Alter und der Gedanke an den Tod begleiten einen schließlich täglich. Das bedeutet nicht, dass ich damit ein Problem hätte. Die Arbeit mit Haneke war vor diesem Hintergrund eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen möchte..“.

Dieses Eins sein der Schauspieler mit ihren Rollen gibt „Liebe“ eine zusätzliche Intensität und machen ihn erst recht zum Ereignis!

 

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