Herr Felde und der Wert der Dinge

Deutschland 2011
Regie: Klaus Peter Karger
Mit Wilhelm Felde
Kinostart: November 2011

Wilhelm Felde ist eine enorme Persönlichkeit. Er strahlt Optimismus aus und die Hoffnung, dass alles gut wird. Zumindest wenn er es richten kann. Und Felde kann viel: in seinem kleinen Laden repariert er nicht nur Schuhe, sondern auch Mützen und – wenn es sein muss – auch eine durchgekaute Hundeleine.

Feldes Geschäft ist eine Insel der Seligen in der heutigen Wegwerfgesellschaft. Nicht nur, dass für Felde nichts zu poplig und kein Kunde nicht der freundlichen Rede wert wäre. Er gibt zur Reparatur auch noch ein gutes Gefühl. Gewissermaßen als Dreingabe. Für ihn ist sein Tagwerk keine Last, sondern Dienstleistung im besten Sinne des Wortes. Es mache ihm Freude, Dinge wieder heil zu machen, sagt Wilhelm Felde an einer Stelle in Klaus Peter Kargers äußerst sympathischen Film „Herr Felde und der Wert der Dinge“. Einem kleinen Meisterwerk!

Ein immer respektvoller Blick auf einen ungewöhnlichen Menschen, den man unbedingt kennenlernen möchte. Karger beschränkte sich in seiner filmischen Miniatur auf Feldes Laden in einer Kleinstadt im Schwarzwald. Ohne seinem Protagonisten zu nahe zu kommen, fängt der Filme-macher das genial Chaos hinter dem Ladentisch ein, das einem inneren, nur für Felde überschaubaren System folgt.

Er weiß deshalb ganz genau, welcher Schuh welchem Kunden gehört und das ist schließlich die Hauptsache. Wilhelm Felde kam in den 1990er Jahren aus Kirgisien nach Süddeutschland; also ein „Spätaussiedler“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Inzwischen spricht er akzentfrei deutsch – mit türkischen Kunden tauscht er sogar die Höflichkeitsfloskeln zur Begrüßung aus. Das ist nicht einmal im Berliner Kiez alltäglich!

Karger gelang mit „Herr Felde und der Wert der Dinge“ nach seinem „Moos“-Film zum zweiten Mal ein ungewöhnlicher Blick auf ein kleines „Wunder“ in unserem Alltag, das gerne übersehen wird und dem Zuschauer zu einem unverhofften Glücksmoment verhilft. Bitte mehr davon!

Im Moment ist Kargers Film nur regional zu sehen. Das sollte nicht so bleiben! Eine DVD des 55-minütigen Dokumentarfilms ist für Sommer 2012 angekündigt. Die Eigner großer Einzelhandels-Ketten sowie die Chefs von Ämtern und Behörden sollten sie en gros ordern, damit ihre Mitarbeiter ein bisschen wenigstens von Herrn Felde lernen können!

Weitere Infos unter www.kargerkultur.de/html/herr_felde_und_der_wert_der_dinge

  1. Ralf Ketterer

    Herr Felde ist ein echt knorker Typ. Wenn es mehr Handwerker, mehr Menschen mit seiner Einstellung auf dieser Welt gäbe, hätten wir alle weniger Sorgen und mehr zu lachen. Dieser Film ist absolut sehenswert. Ein Muß für Freunde von liebe- und kunstvoll gemachten Dokumentationen des Alltagslebens, die erfrischenderweise nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern in wenigen Einstellungen viel erzählen: Kultur- und Sozialgeschichte live. Dabei so schön und so witzig, daß einem manchmal beinahe die Tränen kommen. Mein Lieblingsfilm aus Klaus-Peter Kargers ambitionierter Doku-Manufaktur.

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