Claude Chabrol im Alter von 80 Jahren gestorben

Claude Chabrol (Bild: Agentur)

Claude Chabrol (Bild: Agentur)

Claude Chabrol suchte in seinen Filmen nicht nach dem Guten im Menschen wie seine Nouvelle Vague-Kollegen Francois Truffaut oder Eric Rohmer, zur Weltrevolution wie Godard wollte er auch nicht be-tragen: Filmemachen war für ihn auch keine sakrale Handlung wie für Jacques Rivette: mit Claude Chabrol ist einer der großen Spötter der Filmgeschichte gestorben. Einer der immer sarkastisch, manchmal auch zynisch eine Gesellschaft beschrieben hat, die an Lug und Trug zu ersticken droht: 

Claude Chabrol war Autodidakt. Über den Cineasten-Zirkel um den Filmkritiker André Bazin kam er Mitte der 1950er Jahre zum Film.

1956 schrieb Claude Chabrol zusammen mit Eric Rohmer die weltweit erste Monographie über Alfred Hitchcock, der ihn zeitlebens beeinflusste.

Eine Erbschaft erleichterte ihm 1957 den Schritt von der Theorie zur Praxis. Mit „Le beau Serge“ inszeniert er seinen ersten Spielfilm und zwar in Sardent, dem Ort seiner Kindheit.

Bereits das Debut enthält sämtliche Ingredienzien der über 60 Filme, die Claude Chabrol im Laufe seines Lebens gedreht: In der provinziellen Heimeligkeit nistet das Böse.

1975 schrieb Rainer Werner Fassbinder in einem Essay über Chabrol: „Chabrols Blick ist nicht der des Insektenforschers, wie oft behauptet wurde, sondern der eines Kindes, der eine Anzahl von Insekten in einem Glaskäfig hält und abwechselnd staunend, erschrocken oder lustvoll die merkwürdigen Verhaltensweisen seiner Tierchen betrachtet.“

Die „Tierchen“, das ist bei Chabrol immer die Bourgeoisie. Was diese Gesellschaft der Selbstzufriedenen zusammen hält, ist in erster Linie die Dummheit. Warum ihn die Dummheit seiner Protagonisten so sehr interessiert, hat Claude Chabrol einmal so erklärt:

„Dummheit ist unendlich viel faszinierender als Intelligenz. Intelligenz hat ihre Grenzen, während der Dummheit keinerlei Schranken gesetzt sind (…) Dummheit interessiert mich in dem Maße, in dem sie Angst erzeugt. Wenn ich dumme Menschen zeige, so sind sie immer bösartig. Selbst wenn diese ‚Dummen‘ gut sein wollen, sind sie doch in Wirklichkeit bös-artig, da Dummheit und Bösartigkeit nur Synonyme sind!“

Irgendwann heißt es jedem Film Chabrols: „Rien ne va plus“. Doch die Dummen finden immer ein Schlupfloch. So 1997 in „Das Leben ist ein Spiel“, der im Original „Rien ne va plus“ heißt und eines der Schlüsselwerke des Regisseurs ist. Selten wurde Gemeinheit derart dezent und mit ironischem Understatement in Szene gesetzt, wie von Claude Chabrol in diesem Film.

Postum wird es übrigens mit Claude Chabrol im Oktober in unseren Kinos ein Wiedersehen geben: er spielt in dem Biopic „Gainsbourg“ den furchtlosen Plattenproduzenten, der Serge Gainsbourg und seine damalige Lebensgefährtin Jane Birkin 1969 unterstützte das Skandal-Chanson „Je t‘aime – moi non plus“ aufzunehmen: Der schöne Ausklang eines reichen Lebens!

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